Eines der wohl hochgelobtesten Projekte im Bereich der sozialen Netzwerke des letzten und auch des laufenden Jahres ist wohl DIASPORA*. Ich selbst benutze das dezentrale soziale Netzwerk relativ häufig, weil mir der Ansatz endlich eine sinnvolle Alternative zu Facebook und den VZ-Netzwerken bietet. Seit den Anfängen von DIASPORA* hat sich vor allem im Hintergrund aber auch am Erlebnis für den Benutzer selbst viel geändert. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die behaupten, dass “viel” noch nicht genug sei.
Gestern Abend hatte ich beim Kochen eine nette und kurze “Unterhaltung” via Twitter mit einem Betreiber eines der beiden größten Pods des DIASPORA*-Netzwerkes in Deutschland. Thematisch ging es auch um die Entwicklung von DIASPORA*.
Nicht erst seit die Rhein Zeitung Dennis Schubert, Sebastian Gruhler und Markus Abrell als “deutsches Gesicht” der DIASPORA*-Bewegung vorgestellt haben, beäugen viele Netzwerker, Entwickler und Open Source Fans die Entwicklung der Plattform. Zu Beginn fand man mehr oder weniger nur überbordende Lobeshymnen zur Facebook-Alternative .
Mittlerweile fragen sich (mich innbegriffen) viele Fans jedoch, wann es wirklich vorangeht. Seit Monaten prangt der “Alpha”-Schriftzug über der Diaspora-Seite ohne Aussicht auf (sichtbaren) Fortschritt. Als Entwickler verstehe ich und sicherlich auch ein Großteil der Fangemeinde, dass aufgrund des Labels “Beta” oder “Release Candidate” (RC) kein Fortschritt einhergeht. Dennoch kann man an der Versionierung und einer Entwicklungs-Roadmap auch von Außen erkennen, woran man mit einer Software ist.
Nun zu meinem kleinen Austausch mit @geraspora. Auf eine Frage nach dem Stand der Beta und den damit verbundenen Gerüchten, die im Netz umherschwirren:
(…)Wir können noch nicht sagen, wann wir ne Beta draus machen. Eigentlich ist es aber auch egal. Wann ist ne Beta ‘ne Beta? ^d
Ein zugegeben komplexes Thema für eine Unterhaltung in 140 Zeichen auf Twitter. Eine etwas spätere Antwort von @geraspora bringt es gut auf den Punkt:
(…) Naja, gearbeitet wird so oder so. Wo liegt der Unterschied, ob da nun “Alpha” oder “Beta” dran steht. Das meinte ich. ^d
- @gerasporaFür meine Begriffe schließt die Alpha Grundfunktionen ab, die Beta endet mit Feature-Freeze, der RC bringt das “fertige” Produkt
- @m47ch
In Kombination mit einer Ergänzung von @geraspora gelesen, auf meine Antwort zur Versionierung , wird aber ein Kritikpunkt deutlich sichtbar:
(…)In so einem Projekt gibt es aber nie einen “Feature-Freeze”, daher ist Diaspora also eine Dauer-Alpha? ^d
Eine Krankheit, die in vielen Foren häufig bei Open Source Projekten moniert wird: “Featureitis”. Nicht zuletzt heftigen Diskussionen über den neuen Linux-Kernel oder die Firefox- und Thunderbird-Entwicklung, durch die Fachpresse gepeitscht wie die Sau durch das Dorf, zeigen eine negative Folge dieses “Dauer-Alpha-Zustandes”. Kann sich ein Entwickler nicht auf ein festes Ziel einlassen und ggfs. einige Funktionen auf eine spätere Version verschieben, wird an zu vielen Baustellen auf einmal gearbeitet und keine davon jemals fertig.
Für mich ist der Zug für DIASPORA* noch lange nicht abgefahren; trotz des lockeren Entwicklungsplanes. Dafür ist das dezentrale und selbstkontrollierte Konzept einfach zu interessant und neu (hierzu: “Will The Real Facebook Alternative Please Stand Up“) . Aber jeder Tag an dem Facebook und Konsorten sich in Position bringen können und die Benutzer sich in diese Netzwerke einflechten lassen, ist ein Tag der die Benutzer von Alternativen entfernt. Woran es derzeit (man betrachte nur den Github-Channel) noch am massivsten mangelt, ist ein Wow-Effekt.
Der unbestreitbare Wow-Effekt von Facebook ist die hohe Mitgliederzahl: beinahe jeden (mich nicht!) findet man dort auf die eine oder andere Weise. Ein toller Effekt, der viele Besucher schnell überzeugt: “Hey, Deine ehemaligen Klassenkameraden sind alle bei uns! Komm Du doch auch noch.”
Ein oft gewünschter und lang erwarteter Wow-Effekt bei DIASPORA* wäre ein Client für das Mobiltelefon; sei es für Android, iOS oder Windows Phone. Meiner Meinung nach wird sich z.B. kaum ein Nutzer über den Browser des Mobiltelefons und das mobile Interface der Webseite einwählen, um dort ein Twitter-Update zu schreiben. Vor allem nicht, wenn er das mit einem Fingerstreich über gelungene Apps wie Tweetbot oder Tweetdeck erledigen kann.
Man sollte der Versionierung und der Dauer der derzeitigen Phase nicht zu viel Bedeutung beimessen. Trotzdem ist es für das ambitionierte Projekt bald an der Zeit Farbe zu bekennen: man gewinnt keine Mitglieder, wenn jede Einladung zum Beitritt mit den Worten “es wird gerade noch entwickelt, aber wird sicher toll” endet. So viel zu meinem kurzen Austausch mit @geraspora, denen man übrigens bei Twitter folgen sollte
Vielen Dank an dieser Stelle!
Danke für die Informationen.
Ich bin jedoch persönlich sehr enttäuscht von Diaspora. Man muss auch die Zeit beachten. Facebook & Co werden nicht kleiner. Und sich in einem Umfeld etablierter (fast nicht mehr wegzudenkener) Anbieter einen Namen zu machen, ist sehr sehr sehr schwer. Und da ziehen bei den meisten Leute einfach keine Datenschutz-Argumente.
Ich finde, die könnten einfach mal public stellen und dann eventuell andere Leute mitentwickeln lassen. Ich hätte bsp. kein Problem damit eine einfache App dafür zu programmieren.
Aber das liegt in deren Ermessen.
Ich wünsche dennoch viel Glück
Hi Robert!
ich glaube du hast einiges verpasst. sehr wohl kannst du dich in das projekt diaspora* einbringen und auch eine app programmieren (wobei ich gehört habe, dass schon leute daran arbeiten) und sehrwohl gibt es zahlreiche leute, die mitentwickeln. wenn du das willst, musst du dich einfach an die entwickler wenden.
schreib mir doch einfach eine mail mit deinem diaspora-handle, dann kann ich dir weitere informationen geben.
bis dann