Ein Europäischer Marshall-Plan?

Eines meiner Interessensfelder ist auch die Wirtschaft und Wirtschaftspolitik. Natürlich kann ich in diesem bereich keine großen Referenzen vorweisen, sondern nur meine persönliche Meinung kundtun. Bezüglich eines wirtschafts- und finanzpolitischen Themas, an dem man derzeit wohl kaum vorbei kommt – der Eurokrise – habe ich gestern einen interessanten Brief an Freunde, Mitstreiter und kritische Bürger per E-Mail erhalten. Ich war typisches E-Mail-Ketten-Opfer und wollte den Brief schon beinahe auf das kleine Papierkorb-Icon ziehen. Dann hat mich doch die Neugier gepackt.

In seinem “Europäischen Marshall-Plan” beschreibt der nicht ganz skandalfreie Eurokritiker Professor Dr. Wilhelm Hankel seinen Lösungsansatz für die Euro- und Finanzmarktkrise (Stichwort: PIIGS). Grundsätzlich könnte man es als Einen von Vielen abtun, aber mein persönliches Empfinden beim Anblick der langen Unterstützerliste (s.o.) ist ein etwas anderes.

Ich halte solche Ansätze für ein zweischneidiges Schwert, da man aufgrund ihrer “In-sich-Schlüssigkeit” leicht verführt ist in Ihnen der Weisheit letzten Schluss zu sehen. Der liegt gerade in unserem Marshall-Plan in spe nämlich sicher nicht vor.
Natürlich liegt dieses Problem nicht nur in dem o.g. Brief vor, sondern auch in vielen Artikeln in der FAZ, Süddeutschen oder dem SPIEGEL (siehe bspw. Ausgabe 25/11).

Womit ich bei beinahe allen Kommentaren zum Thema Eurokrise d’accord bin ist die Aussage, dass die derzeitige Gangart mit “Defizitsündern” in der EU zu lasch ist. Ein Automatismus, der bei einer gewissen Quote von Neuverschuldung und BIP greift, wäre um ein Vielfaches effizienter als das derzeitige Gemauschel in undurchsichtigen Gremien, die Ottonormalbürger (dazu zähle ich mich) nicht nachvollziehen kann.

Außerdem bin ich einer Meinung mit denen, die schreiben, dass die Begleichung von Schulden durch das Anhäufen neuer, längerfristiger Schulden (“Umschuldung”) im Fall Griechenland niemals zu einem glücklichen Ende führen kann. Vor allem in Verbindung mit dem ständigen Druck auf Krisenländer Staatsbetriebe und -eigentum zu veräußern, um irgendwie Ausgaben zu decken. Oder anders formuliert: Wie soll eine Volkswirtschaft auf die Beine kommen, wenn man dem Staat jegliche Substanz abgräbt und ihn weitere Schulden aufhäufen lasst bzw. dazu zwingt, so dass keine Aufbauprogramme ablaufen können?

Um meine Meinung bzgl. Griechenland noch kurz auszuführen, wird es meines Erachtens früher oder später zu einem “hair cut” (ganzen oder teilweisen Schuldenerlass) kommen müssen. Ansonsten werden die reicheren nordeuropäischen “Geberländer” künftig einen stetigen Finanzierungsfluss in den ärmeren Süden gewährleisten müssen. Dieses Verfahren ist aus meiner Sicht so sicher wie das Amen in der Kirche; gerade wir Deutschen können ein Lied davon singen.

Um aber wieder auf Prof. Dr. Hankel zurückzukommen, der seinen Ausweg aus der Krise nach dem Wirtschafts-Wiederaufbauplan nach dem Zweiten Weltkrieg benennt.
Gefährlich an dem Ruf nach der Rückkehr zu den Altwährungen ist, dass durch die Rückkehr zu diesen eine massive Abwertung in den Krisenländern droht. Dieses Verfahren war und ist in der Vergangenheit erfolgreich gewesen: Währung abwerten, inländische Schulden begleichen, Exportwirtschaft konkurrenzfähig machen und den Aufschwung in Empfang nehmen.

Was dabei aber außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass daraufhin sämtliche Schulden in fremder Währung plötzlich völlig unbezahlbar werden. Eine darauf folgende geordnete Staatsinsolvenz mag vorerst positiv erscheinen, aber wer würde den vermeintlichen Pleitestaat nun noch einmal Geld geben? Dicke Renten- und Pensionsfonds? “Geprellte” Staaten? Sicher nicht (wieder)!

Wovon hier gar nicht die Rede sein soll, ist der Tiefschlag, den wir (Deutschland) uns als Exportnation verpassen würden, wenn wir in D-Mark-Romantik verfallen. Kaum eine Nation hat derart durch Euro profitiert und sollte daher die Vorzüge des Euro-Systems zu vertreten wissen wie Deutschland.
Wesentlich mehr als D-Mark-Romantik würde das Sicherstellen eines anständigen und korruptionsfreien Vollzuges von EU- und inländischem Steuerrecht in Krisenländern helfen. Nicht umsonst sind die meisten Krisenländer für ihren laschen Umgang mit Steuerrecht, Vollstreckungsschuldnern und Korruption bekannt.

Ohne mich nun weiter in Wirtschaftstheorien verlieren zu wollen, sollte aus meinem Artikel eigentlich nur Folgendes mitgenommen werden: die Lösungen liegt bei Weitem nicht so klar auf der Hand wie viele Glauben machen wollen. Ein Umdenken im Krisenmanagement der EU muss stattfinden, denn die bisherige Handhabe führt zu wenig (vor allem im Bezug auf die selbst beschworene Herabsenkung der Ratings diverser Staatsanleihen; selbsterfüllende Prophezeiung). Dennoch hätten sogar die nebulösen Gremien innerhalb des EU-Krisenmanagements die Lösung gefunden, wäre sie wie von Kritikern wie Hankel beschrieben so offensichtlich.

Wenn man nun also bei Freies in Wort und Schrift liest, dass hier ein Ausweg gezeigt würde, ist lediglich unser Wunsch nach einer schellen und schmerzfreien Lösung bewiesen.

Sollte der oben genannte Brief einmal nicht erreichbar sein, habe ich ihn auf der folgenden Seite rein nachrichtlich beigefügt.

Veröffentlicht von

Ein "Digital Native", der sich für vieles interessiert und zu noch mehr eine Meinung hat. Pendelt beruflich quer durch Deutschland, erlebt (nicht nur dabei) so einiges. Gnadenloser Facebook-Feind, Missionar für sauberen Quellcode und sportbegeisterter Würzburger mit starker Affinität zu allen elektrischen Spielereien.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Prof. Dr. Wilhelm Hankel und Du-bewegst-Deutschland.de am 19.11.2011 im CongressForum Frankenthal: Europas Zukunft nach dem Ende des Euro-Aben-Teuer

  2. Pingback: Prof. Dr. Wilhelm Hankel und Du-bewegst-Deutschland.de am 19.11.2011 im CongressForum Frankenthal: Europas Zukunft nach dem Ende des Euro-Aben-Teuer | Fachpresse Artikel

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>